Betriebsräte können auch über Bereiche verhandeln, die unter Tarifverträge fallen, in denen der Vertrag selbst eine sogenannte “Öffnungsklausel” enthält, die es dem Betriebsrat ausdrücklich ermöglicht, über das Thema zu verhandeln. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass große Betriebe nach wie vor überwiegend von Branchentarifverträgen abgedeckt sind. Darüber hinaus nutzen kleine Betriebe, die nicht unter Tarifverträge fallen, auch Tarifstandards auf Branchenebene als Richtschnur für die Lohnverhandlungen. Daher bleiben Tarifverhandlungen das bedeutendste System der Lohnfestsetzung. Die IAB-Daten bestätigen jedoch auch eine rückläufige Abdeckung von Tarifverträgen seit Anfang der 90er Jahre. Darüber hinaus deuten die Daten darauf hin, dass die Betriebe zunehmend ein System der Lohnfestsetzung bevorzugen, das eine höhere Anpassungsflexibilität ermöglicht. Um zu verhindern, dass Unternehmen Tarifverträge vollständig umgehen, diskutieren die Sozialpartner über Möglichkeiten, Tarifverträge flexibler zu gestalten. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz dürfen Geschäftsführung und Betriebsrat keinen Betriebsvertrag abschließen, der sich mit Tarifverhandlungen befasst. Besteht jedoch eine Öffnungsklausel in einem Tarifvertrag und gelten bestimmte Voraussetzungen, können Unternehmen von den Kollektivstandards abweichen. Die Räumlichkeiten, der Umfang, der Inhalt und die formalen Spezifikationen der abweichenden Vereinbarung auf Unternehmensebene werden häufig sowohl von der Gewerkschaft als auch von der Arbeitgeberorganisation festgelegt. In Deutschland gibt es unterschiedliche Öffnungsklauseln: Typischerweise wird es in jeder Branche eine Lohn- und Eine Rahmenvereinbarung geben, die sich mit Fragen wie Arbeitszeit, Termin- und Kündigungsfrist, Prämienzahlungen für Nacht- und Schichtarbeit, Urlaub und Krankengeld befasst. Es kann auch gesonderte Vereinbarungen zu Themen wie der Behandlung älterer Arbeitnehmer geben.

All dies dürfte in mehreren regionalen Varianten vorhanden sein, obwohl, wie bereits erwähnt, abgesehen von Ost und West die Unterschiede zwischen ihnen wahrscheinlich gering sein werden. Es gibt keine Verhandlungen auf nationaler Ebene, die die gesamte Wirtschaft in Deutschland abdecken, und der Hauptgewerkschaftsbund, der DGB, hat in der Regel kein Verhandlungsmandat. (Eine Ausnahme war 2003, als der DGB im Namen der einzelnen Gewerkschaften eine Vereinbarung über Leiharbeitskräfte aushandelte. Dies wurde in der Folge mehrfach erneuert und durch gesonderte Vereinbarungen auf Branchenebene ergänzt, die von den einzelnen Gewerkschaften unterzeichnet wurden.) Branchenvereinbarungen werden in der Regel auf regionaler und nicht auf nationaler Ebene ausgehandelt. Infolgedessen gibt es geringfügige Unterschiede zwischen den Regionen. Die Hauptelemente der Abkommen, insbesondere die Höhe der Lohnerhöhung, werden jedoch in der Regel in allen Regionen gleich sein. Die größte Ausnahme bildet die ehemalige DDR, wo die ausgehandelten Löhne und/oder Bedingungen in einigen Branchen immer noch schlechter sind als in der ehemaligen Bundesrepublik Deutschland, obwohl sich die Lücke im Laufe der Zeit geschlossen hat.

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